Reisebericht New York new York

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Region: New York > new York

Reisekategorie: Sport

Erstellt am:27.02.2009

Userzugehörigkeit: hei7803

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Im Himmel der Marathonläufer

Im Himmel der Marathonläufer: New York-Marathon



Wenn es so etwas wie einen Läuferhimmel gibt, dann muss er in New York sein. Der Marathon durch die Stadt der Superlative gilt als das Höchste für viele Läufer. Für 38.000 Läufer wurde dieser Traum im November Wirklichkeit.

Im Morgengrauen herrscht bereits dichter Busverkehr. Schon seit fünf Uhr früh karrt ein Bus nach dem anderen Sportler in den New Yorker Stadtteil Staten Island. Wer in New York laufen will, muss nämlich früh aufstehen. Denn um sieben Uhr wird die berühmte Verrazano-Narrows-Brücke für den gesamten Verkehr gesperrt. Einmal im Jahr soll sie nur Läufern gehören.

Allein die Ankunft am Start wird zum unvergesslichen Ereignis. „Welcome to New York!“, rufen die unzähligen freiwilligen Helfer den Läufern zu. „Have a good race – gutes Rennen!“ – auch diesen Satz hört man hier noch Dutzende Male. Die große Wiese unter der Brücke gleicht einem riesigen Campingplatz. Mehr als 38.000 zum Teil maskierte Sportler wuseln querfeldein, besorgen sich ein letztes Frühstück, massieren sich gegenseitig, wärmen sich auf oder stehen Schlange vor einer Hundertschaft von WC-Häuschen.

Um die Wartezeit bis zum Start um 10.10 Uhr zu verkürzen, sorgt eine Band für Festival-Stimmung. Denn auch das ist das Besondere am Lauf in New York. Der Marathon hier ist kein tierisch ernstes sportliches Ereignis, sondern eine „big party“, wie die 30-jährige Karen voller Begeisterung erzählt. Dabei sein und Spaß haben, ist das Einzige, was zählt. Im Gegensatz zu den Europäern, für die beim Marathon vor allem die gelaufene Zeit wichtig ist, interessieren sich die Amerikaner nur dafür, ob man durchgekommen ist. Jeder Finisher ist ein gefeierter Held.

Die Zeit für die Aufstellung zum Start vergeht wie im Flug. Spätestens jetzt sollten sich Männer aber entscheiden, heimlich zur Frau zu werden. Denn nur wer sich in den orangen Frauenstart schmuggelt, darf von oben auf der Brücke starten. Der offizielle Männerstart ist auf der weniger attraktiven unteren Brückenetage.

Wenn dann das Gros der Läufer zur Verrazano-Narrows-Brücke geführt wird und die ersten Läufer bereits ihre alten Pullover wegwerfen, erreicht die Spannung den Höhepunkt. Nach der US-Hymne ist es endlich so weit: Der Startschuss fällt, Zehntausende Läufer setzen sich laut singend zur Musik von Frank Sinatras „New York, New York“ in Bewegung. Das Vibrieren der Brücke verstärkt das Kribbeln der Massen. Die erste Meile vergeht wie im Flug, selbst die Beine schweben beinahe über die erste, eigentlich enorme Steigung auf der Brücke.

Musikbands und Schlecker

Nach der Brücke wird es dann so richtig laut. „Go ahead“, „You do a great job“, „You are already a winner!“ („Los, weiter!“, „Du leistest gute Arbeit“, „Du hast schon fast gewonnen“), plärren heisere Stimmen ins Teilnehmerfeld. Und immer wieder tauchen Musikbands am Straßenrand auf, tönen Rapper, Chöre, Blues-, Rock- oder Countrybands ihre Musik in voller Lautstärke auf die Laufstrecke. Und weil sich die New Yorker nicht vorstellen können, wie man auf zwei Beinen eine so weite Strecke zurücklegen kann, haben die Millionen Zuschauer so gut wie alles mit, um den Läufern zu helfen: von Getränken und Bananen bis hin zu Zuckerl und Schlecker oder in den ärmeren Gegenden ein paar Papiertaschentücher zum Schweißabwischen. Kinder zählen sogar mit, wie oft ein Läufer ihre Hand abschlägt.

Etwa bei Meile acht geht dann ein Aufschrei durch die Menge der Läufer. Die imposante Silhouette von Manhattan wird erstmals sichtbar. Das Ziel im Herzen der Stadt erscheint greifbar nahe, auch wenn es noch gut 18 Meilen, also umgerechnet fast 30 Kilometer weit entfernt ist.

Die weiteren Meilen vergehen wie im Flug. Krämpfe zwingen die ersten Läufer zum Gehen. Doch das Publikum hilft auch hier. „You are great“, „Only ten more miles“, wird der Läufer mit dem schmerzverzerrten Gesicht zum Weitermachen angefeuert. Auch das ist das Besondere an New York: Nirgendwo sonst in der Welt gibt es so wenige Ausfälle wie bei diesem Marathon. Heuer haben nicht mehr als 500 Läufer aufgegeben – und das bei 38.000 Teilnehmern, von denen der älteste 87 Jahre alt war!

Enttäuschung im Ziel

Die Elite ist schon längst im Ziel, als die breite Masse der Läufer endlich den Central Park erreicht. Der Park mit den letzten giftigen Steigungen gleicht noch immer einem riesigen Stadion. Auf mehreren Ebenen haben sich hunderttausend Menschen vor der imposanten Wolkenkratzerkulisse des Nobelviertels postiert, um Mum und Daddy und all die übrigen Läufer über die letzten Meter zu schreien.

„Es war so ein Wahnsinn, das kann man niemandem beschreiben“, sagt fast jeder Läufer, der ins Ziel kommt. Nicht wenige sind trotz der 42,16 Kilometer (der New Yorker Marathon ist auch in seiner Länge einzigartig) enttäuscht, dass die sensationelle Stimmung dann zu Ende ist.